Die
Dauer eines Schmerzes ist neben dem Entstehungort ein
wichtiger Aspekt zur Beurteilung von Schmerzen. Beispielsweise ist bei
akuten Schmerzen (Unfall, Blinddarmentzündung usw.) der Schmerz
meist auf den Ort der Entstehung begrenzt. Der jeweilige Ort ist für
uns genau bestimmbar. Das Ausmaß des Schmerzes hängt direkt
vom Ausmaß der Schädigung des Körpers an diesem
Ort ab. Die Aufgabe dieser Schmerzen ist die Warnung bei eintretender
oder bereits eingetretener Gewebsschädigung und hat zur Folge,
daß wir uns den Schmerzen entsprechend vorsichtig verhalten (z.B.
nicht in eine Wunde fassen o.ä.). Akute Schmerzen haben somit eindeutig
eine Signal- oder Warnfunktion für uns. Nach dem Abheilen
der Schädigung klingen auch die Schmerzen rasch wieder ab. (vgl.
Birbaumer & Schmidt, 1991)

Abgesehen von diesen akuten Schmerzen gibt es verschiedene Schmerzen,
die für längere Zeit anhalten (z.B. Rückenschmerzen,
Tumorschmerzen) oder in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen
wiederkehren (z.B. Migränekopfschmerzen, Trigeminusneuralgie, Herzschmerzen
bei Angina Pectoris). Diese Schmerzformen (Dauerschmerz und immer wiederkehrenden
Schmerz) faßt man unter dem Begriff "Chronische Schmerzen"
zusammen. Aus medizinischer Sicht besteht beim chronischen Schmerz häufig
keine eindeutige Beziehung zwischen dem Ausmaß der Organschädigung
und der Schmerzintensität, vor allem wenn der Schmerz für
lange Zeit fortbesteht. Es kommt beim chronischen Schmerz im Verlauf
der Zeit zu einer deutlichen Lösung des Schmerzerlebnisses von
der ursprünglich zugrundeliegenden Störungoder Schädigung.
Diese "Verselbständigung" läßt den chronischen
Schmerz als ein eigenständiges Krankheitssyndrom erscheinen, das
sich deutlich vom akuten Schmerz unterscheidet. Eine Aufgabe hat der
chronische Schmerz meist nicht. So gesehen sind viele chronischen Schmerzen
aus medizinischer Sicht sinnlos für unseren Körper und sollten
daher gelindert werden. (vgl. Birbaumer &
Schmidt, 1991)
Akuter Schmerz
Akuter
Schmerz hat eine sinnvolle und lebenserhaltende Funktion. Er dient dazu,
Schädigungen am Organismus zu melden. Durch die Wahrnehmung des
Schmerzes werden entsprechende Schutzreaktionen ausgelöst, z.B.
das Wegziehen der Hand von einer heißen Herdplatte. Eine weitere
Schädigung des Organismus wird dadurch verhindert. Akuter Schmerz
fördert die Wundheilung, indem beispielsweise eine verletze Extremität
durch den Schmerz ruhig gestellt wird.
Therapeutisch gesehen stellt die Linderung akuter Schmerzen meist kein
größeres Problem dar. (Striebel,
1992)
Chronischer
Schmerz
Im
Gegensatz zum akuten Schmerz hat der chronische Schmerz die sinnvolle
Melde-, Schutz- und Heilfunktion verloren. Ein chronischer Schmerz wird
zu einer eigenständigen Schmerzkrankheit. Häufig findet man
die Bezeichnung chronischer Schmerz für Schmerzen, die länger
als 6 Monate andauern.
Chronische Schmerzen führen zu Leiden im physichen, psychischen
und sozialen Bereich. Schmerzbedingt kann es zu depressiver Verstimmung,
Reizbarkeit, Schwäche, eingeengten Interessen und verminderten
sozialen Aktivitäten sowie Kontakten kommen. Die Aufmerksamkeit
eines Schmerzpatienten ist dann von der Umwelt weg zum eigenen Körper
hin gerichtet.
Die Therapie chronischer Schmerzen gestaltet sich
somit wesentlich schwieriger, da viele verschiedene Bereiche betroffen
sind. (Striebel, 1992)