Symptome:
Beim
Spannungskopfschmerz unterscheidet man zwischen episodischem und
chronischem Kopfschmerz vom Spannungstyp (KST).
Episodischer KST besteht in wiederkehrenden, Minuten bis
Tage dauernden Kopfschmerzepisoden. Die Schmerzqualität ist drückend
bzw. spannend, die -intensität schwach bis mittel. Der Schmerz
wird auf beiden Seiten des Kopfes empfunden und verschlimmert sich bei
körperlichen Alltagsaktivitäten nicht. Licht- und Lärmempfindlichkeit
können vorkommen, nicht aber Übelkeit. Wer an episodischem
KST leidet, erlebt im Jahr mehr Tage mit als ohne Schmerz.
Bei Patienten, die an chronischem KST leiden, überwiegen
dagegen die Tage mit Kopfschmerzen. Außerdem kann Übelkeit
als Symptom auftreten, nicht aber Erbrechen. Ansonsten sind die Symptome
wie beim episodischen KST. (Bischoff et al.,1999)
Ursachen:
Mögliche Ursachen sind:
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psychosozialer
Streß,
-
Arbeitsstreß,
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zwischenmenschliche
Belastungen,
-
Schlafstörungen,
-
sexuelle
Probleme,
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Angststörungen,
-
depressive
Erkrankungen oder
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Störungen
der perikraniellen Muskulatur.
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Außerdem
können KST ebenfalls durch Überbeanspruchung der Muskulatur
(z.B. durch unphysiologische Arbeitshaltung, anders begründete
lang anhaltende tonische Muskelverspannungen, Mangel an Schlaf/Ruhe)
und übermäßige Einnahme von Medikamenten/Drogen (Aspirin,
morphinhaltige Substanzen, Diazepan etc.) verursacht sein. (Bischoff
et al.,1999)
Auftretenshäufigkeit (Epidemiologie):
14% der deutschen Bevölkerung leiden erheblich oder stark unter
Kopfschmerzen. Frauen sind von Kopfschmerzen häufiger und stärker
betroffen als Männer. Menschen des mittleren Erwachsenenalters
fühlen sich durch Kopfweh häufiger belästigt als jüngere
Erwachsene. Im Alter nimmt das Leiden merklich ab. Jugendliche in der
Pubertät unterscheiden sich nicht von Erwachsenen. 90% der KST
sind nicht organisch verursacht. (Bischoff et
al.,1999)
Therapie:
Somatologische Verfahren sind beispielsweise die medikamentöse
Therapie, physio- und sporttherapeutische Maßnahmen und die sogenannten
alternativen Verfahren (therapeutische Lokalanästhesie (örtliche
Betäubung) v.a. in Form von Triggerpunktinfiltration (Injektion
an Schmerzpunkten), transkutaner (durch die Haut hindurch) Nervenstimulation
und Akupunktur). (Bischoff et al.,1999)
Eingesetzte Medikamente sind überwiegend peripher
wirkende Analgetika (ASS, Paracetamol, Naproxen-sodium, Acetaminophen),
zentral und peripher wirkende Muskelrelaxantien (Tetrazepam, Diazepam)
und trizyklische und tetrazyklische Antidepressiva. ANMERKUNG: Aus der
Dokumentation der Ulmer Schmerzambulanz geht hervor, daß viele
Patienten mit KST inadäquate Medikamente oder Medikamente in gesundheitsschädlichen
Mengen einnehmen. Konsequenz übermäßiger Schmerzmitteleinnahme
kann (neben organischen Schäden) der dem chronischen KST von der
Symptomatik ähnliche medikamenteninduzierte Kopfschmerz sein. In
diesen Fällen ist eine drastische Einschränkung des Medikamentenverbrauchs
geboten. Bei schweren Formen von Abusus oder Abhängigkeit gelingt
dies in der Regle nur im stationären Rahmen über einen Totalentzug
oder ausschleichend mit einem "Schmerzcocktail". Bei leichteren
Formen von Abusus können motivierte Patienten die Medikamente auch
ambulant absetzen bzw. reduzieren. (Bischoff
et al.,1999)
Weiterhin können Massagen und Krankengymnastik hilfreich
sein. Im Kopfschmerzanfall lindern Rotlichtbestrahlung und sanfte Massage
von Myogelosen (Muskelhärten) in wirbelsäulennahen Muskelpartien
des Rückens und der Schultern sowie im Ansatz des M. sternocleidomastoideus
(Nacken) den Schmerz erheblich (vgl. Peters 1983). Wiederholtes Massieren
von Schmerzauslösepunkten im Ansatz des M. trapezius (Trapezmuskel)
kann den Kopfschmerz ganz zu beseitigen helfen. Längerfristigen
Erfolg versprechen vom Patienten erlernte und selbst durchgeführte
Programme zur Lockerung der Schulter-Nacken-Muskulatur.
(Bischoff et al.,1999)
Psychotherapeutische Verfahren werden
häufig von "Kopfschmerzpatienten" abgelehnt. Damit ist
sogar zu rechnen, da sich das Leiden ja zuerst von der körperlichen
Seite bemerkbar macht. Dementsprechend suchen Patienten häufig
nach einer körperlichen Ursache des Symptoms. Dadurch, daß
die Medizin verpflichtet ist, die Kopfschmerzen organisch abzuklären,
werden die Patienten noch in diesem Glauben bestärkt. Wird nach
ausführlichen Untersuchungen keine organische Ursache gefunden,
sieht sich der Patient leicht dem Verdacht ausgesetzt, sich das Kopfschmerzproblem
nur "einzubilden" oder gar zu simulieren. Unter dieser Voraussetzung
ist die psychotherapeutische Behandlung vor allem eine Motivierungsfrage.
Zur Ursachenfindung wird der psychosoziale Kontext der Kopfschmerzen
erfragt. Der Patient soll erlernen die Zusammenhänge zwischen bestimmten
Situationen und seinen Beschwerden zu erkennen. Zur genaueren Klärung
können Kopfschmerztagebücher dienen, in denen der Patient
beispielsweise die Stärke der Kopfschmerzen festhält und gleichzeitig
erfaßt, was er in dem Moment und unmittelbar zuvor gedacht, getan
oder gefühlt hat. Ebenfalls wird erfaßt, wie der Patient
versuchte starke Schmerzen zu bewältigen und wie enge Bezugspersonen
auf Schmerzäußerungen reagiert haben. Mit der Aufdeckung
dieser Zusammenhänge kann der Patient seine bisher auf eine körperliche
Ursache orientierte Theorie durch eine differenziertere Ursachentheorie
ersetzten. (Bischoff et al.,1999)
Eine weitere sehr gute Möglichkeit ist es, über ein Entspannungstraining
die Selbstexploration des Patienten in Gang zu setzen und somit Zusammenhänge
zwischen seelischem und körperlichem Befinden zu verdeutlichen.
Sehr gut geeignet und relativ leicht erlernbar ist hierbei die Methode
der Progressiven Muskelrelaxation. Weitere
Möglichkeiten bieten Autogenes Training
sowie das EMG-Biofeedback.
(Bischoff et al.,1999)