Symptome:
Rückenschmerzen sind akute oder chronische Beschwerden im Bereich
der Wirbelsäule. Rückenschmerzen sind ein Symptome - keine
Krankheit. Die Verursachung der Rückenschmerzen kann durch
ganz verschiedene Erkrankungen geschehen. Neben infektiösen und
neoplastischen Prozessen zählen hierzu insbesondere die entzündlichen
rheumatischen Erkrankungen (z.B. Bechterew, Reitersyndrom) sowie eine
Reihe von gynäkologischen, urologischen und internistischen Erkrankungen,
die ebenfalls das Auftreten von Schmerzen im Wirbelsäulenbereich
zur Folge haben. Diese Erkrankungen sind jedoch eher selten. Die Hauptverursachung
der Rückenschmerzen liegt in degenerativen Veränderungen und
Funktionsstörungen (idiopathische Rückenschmerzen).
Hauptsächlich betroffen sind der Bereich der Halswirbelsäule
oder der Lendenwirbelsäule. Bei 90% aller Rückenschmerzen
kann kein oder nur ein für die Symptomatik irrelevanten Befund
identifiziert werden. Sie werden als "unspezifische Rückenschmerzen
bezeichnet". (vgl. Pfingsten et al., 1999)
Bei den degenerativen/funktionellen Rückenschmerzen lassen sich
folgende Stadien und Verläufe unterscheiden:
-
akute
/ subakute Rückenschmerzen;
-
rezidivierende
/ andauernde (vorwiegend somatisch bedingte) Rückenschmerzen;
-
chronifizierte
Rückenschmerzen
Auftretenshäufigkeit (Epidemiologie):
Studien zufolge leiden 75% der Bevölkerung mindestens einmal in
ihrem Leben an Rückenschmerzen. Die jährlich Neuerkrankungsrate
wird auf 15% geschätzt. Zum Zeitpunkt sind 30% der Bevölkerung
von Rückenschmerzen betroffen, im Jahr sind es 45%. Unter Bedingungen
schwerster körperlicher Tätigkeit können es bis zu 80%
sein.
Rückenschmerzen stehen in Deutschland an erster Stelle der Arbeitsunfähigkeit
bei Männern und an zweiter Stelle bei Frauen. (vgl. Pfingsten
et al., 1999)
Ursachen:
Meist liegen die zu Rückenschmerzen führenden Veränderungen
im Bereich der Muskeln bzw. des Skeletts. Sie betreffen Bandscheiben,
kleine Wirbel sowie die Muskel und Bänder des Stützapparates
der Wirbelsäule.
Ursachen können Bandscheibenvorfälle, knöcherne Irritationen,
Spondylolisthese (Wirbelgleiten) oder eine Kombination der verschiedenen
Störungen sein. Hierbei handelt es sich um radikuläre Schmerzen,
d.h. Schmerzen, die die Nervenwurzel betreffen. Die Verursachung dieser
Beschwerden läßt sich anhand neurologischer u.a. med. Untersuchungen
gut nachweisen. Eher schlecht nachweisbare Ursachen weisen die wesentlich
häufigeren nichtradikulären Schmerzen auf. Diese Schmerzen
sind dumpf, tiefsitzend, schlecht lokalisierbar und können relativ
weit ausstrahlen. Sie können von den Bandscheiben oder aber auch
von den Gelenken, Muskeln und Bändern ausgehen. Degenerative Prozesse
an den Bandscheiben und Zwischenwirbelgelenken können solche Schmerzen
verursachen. (vgl. Pfingsten et al., 1999)
Häufig
sekundärer Natur sind Schmerzen muskulärer Genese.
Sie können jedoch im Vordergrund des Geschehens stehen. Die Verursachungen
sind unterschiedlich und teilweise in ihrer Wirkung additiv.
-
ständige
Überlastung der Wirbelsäule kann Koordinationsstörungen
und Fehlinnervationen der Muskulatur verursachen, die wiederum degenerative
Veränderungen in allen Bereichen des Bewegungssegmentes beschleunigen
können
-
segmentale
Störungen im Bereich der Wirbelsäule (z.B. Blockierung
bzw. Fehlstellung der Gelenke oder Degeneration einer Bandscheibe)
hat neben unmittelbarer Reizung der Nozizeptoren (und damit Auslösung
von lokalen oder ausstrahlenden Schmerzen) eine reflektorische Muskelverspannung
mit Hartspann der Muskulatur zur Folge. Diese Muskelspannung führt
zu einer erneuten Reizung der Nozizeptoren.
-
-
auch
psychische Spannungen können sich auf die Muskulatur
übertragen; psychische Spannungen lösen im Bereich der
Nackenmuskulatur und des Erector trunci einen Hartspann und damit
Schulter-, Nacken-, Kopf-
und Rückenschmerzen aus. (Abb. 16) (vgl. Pfingsten
et al., 1999)