Die
Progressive Muskelentspannung (auch progressiver Muskelrelaxation genannt)
ist ein Entspannungsverfahren mit dem Ziel der Erzeugung eines entspannten
psychophysiologischen Zustandes. Die Methode wurde von Edmund Jacobson
1929 in Amerika entwickelt. Der Ausgangspunkt dieser Methode war die
Erkenntnis, daß bei Anspannung und anschließender Entspannung
eines Muskels der Muskeltonus (Muskelspannung) sinkt.
PMR ist eine relativ einfach und schnell zu erlernende Entspannungsmethode,
bei der der Übende sehr schnell Erfolge erzielen kann. Die PMR
ist nahezu uneingeschränkt anwendbar und ist leicht als Selbststeuerungstechnik
anwendbar.
Die Voraussetzung zur Durchführung der Methode ist, daß
der Übende den Anspannungs- und Entspannungszyklus erlernt:
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Dabei
konzentriert sich der Patient auf eine bestimmte Muskelgruppe.
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Die
Muskeln sollen angespannt werden und die Spannung sollte für
5 bis 7 Sekunden gehalten werden.
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Dann
wird die Muskelgruppe wieder entspannt (ca. 20 bis 30 Sekunden).
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Der
Klient konzentriert sich während der Lockerung auf seine Empfindungen.
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Nacheinander
werden 16 Muskelgruppen des Körpers angespannt und entspannt:
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dominante Hand und Unterarm (Hand zur Faust ballen zur Anspannung)
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dominanter Oberarm (an Lehne drücken oder Unterarm anwinkeln)
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nicht-dominante Hand und Unterarm (Hand zur Faust ballen)
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nicht-dominanter
Oberarm (an Lehne drücken oder Unterarm anwinkeln)
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Stirn
(Augenbrauen hochziehen, Stirn runzeln)
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obere
Wangenpartie und Nase (Augen fest schließen, Nase hochziehen)
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untere
Wangenpartie und Kiefer (Zähne zusammenbeißen,
Mundwinkel zurückziehen)
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Nacken
und Hals (Kinn auf die Brust pressen oder Nacken gegen Stuhl
drücken)
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Brust,
Schultern, obere Rückenpartie (tief einatmen und Luft
anhalten, Schulterblätter zusammenziehen oder hochziehen)
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Bauchmuskulatur
(fest anspannen, als ob Sie einen Schlag erwarten)
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dominanter
Oberschenkel (Bein leicht vom Boden anheben oder auf den Boden
drücken)
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dominanter
Unterschenkel (Zehenspitzen gegen Boden pressen)
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dominanter
Fuß (nach innen drehen und Zehen anziehen)
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nicht-dominanter
Oberschenkel (Bein leicht vom Boden anheben oder auf den Boden
drücken)
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nicht-dominanter
Unterschenkel (Zehenspitzen gegen Boden pressen)
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dominanter
Fuß (nach innen drehen und Zehen anziehen
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Von
Bernstein u. Borkovec (1975) wird empfohlen, das Verfahren 2mal täglich
über einen Zeitraum von 20 Minuten anzuwenden. Der Klient soll
vor allem auf die unterschiedlichen Empfindungen des angespannten und
des entspannten Muskels achten. Wenn der Patient die Übung nach
2 bis 4 Wochen sicher beherrscht, werden die Muskeln in 7 Gruppen
und ca. 1 bis 2 Wochen später in 4 Muskelgruppen zusammengefaßt.
7 Muskelgruppen:
1.
Hand, Unterarm und Oberkörper der dominanten Körperseite
2. nicht-dominante Hand, Arm und Oberarm
3. Gesicht
4. Nackenmuskulatur
5. Brust-, Bauch-, Schultern- und Rückenmuskulatur
6. dominantes Bein
7. nicht-dominantes Bein
4
Muskelgruppen:
1.
beide Hände, Unterarme und Oberarme
2. Gesichts- und Nackenmuskulatur
3. Brust-, Schulter-, Rücken- und Bauchmuskulatur
4. Beide Beine und Füße
Nach
3 - 4 Wochen werden zusammen mit der Verkürzung des Verfahrens
Selbstinstruktionen eingeführt. Beispielsweise bei
Schmerzpatienten könnte eine solche Selbstinstruktion sein: "Wenn
der Schmerz kommt, dann entspanne ich mich."
In der Regel kann der Klient nach 6 bis 7 Wochen Übungsdauer mit
der Methode schnell und tief entspannen. Darauf folgt die wichtige Phase
der Übertragung der Entspannung auf Alltagssituationen. Hierbei
wird die Übung mit Zählen in Verbindung gebracht (z.B. "Eins...,
zwei..., achten Sie darauf, wie sich Ihre Arme und Hände immer
mehr und mehr entspannen, drei..., vier..., konzentrieren Sie sich...usw.")
so daß der Klient in Streßsituationen oder beim Warten auf
den Bus durch Zählen einen Entspannungszustand erreichen kann.
Es wurde nachgewiesen, daß Schmerzpatienten vor allem durch diese
kurzen Anwendungen in Alltagssituationen längerfristig erfolgreicher
in der Schmerzbewältigung waren als Patienten.
PMR
bei Schmerzpatienten:
Schmerzpatienten sollten auf folgende leicht abgewandelten Punkte achten
(Rehfisch & Basler 1999):
1) Die Muskelgruppen sind nur so leicht anzuspannen, daß
der Unterschied zur Entspannung gerade noch wahrgenommen werden kann.
Diese Vorgehen verhindert zu starke Anspannung und fördert gleichzeitig
die Entwicklung eines sensibleren Körperbewußtseins. Bei
Nichtbeachtung führen die bei der Anspannung auftretenden Schmerzen
zu neuen Verspannungen, die Schmerzen anhaltend verstärken können.
2) Treten bei der Anspannung Schmerzen in bestimmten Muskelgruppen
auf, so sind diese Muskelgruppen weniger stark anzuspannen bzw.
bei der Anspannung (evtl. auch benachbarter Muskelgruppen) ganz auszulassen.
In diesem Fall soll der Patient sich nur auf die entsprechenden Körperteile
konzentrieren oder sich die Entspannung ausschließlich innerlich
vorstellen. Auf keinen Fall Schmerzen in Kauf nehmen!
3) Bei der Anspannung der Muskelgruppen darf der Atem nicht angehalten
werden, da dies die Anspannung verstärkt bis hin zur Verkrampfung
der Muskeln. Außerdem können dadurch Kopfschmerzen entstehen.
4) Die meisten Patienten mit chronischen Schmerzen erleben anfangs
vorhandene Schmerzen und Unruhe während der Entspannungsübung
stärker, da die Außenreize in den Hintergrund treten
und sie stärker auf ihren schmerzenden Körper achten. Dies
sollte der Patient wissen und als Teil des erwünschten Lernprozesses
interpretieren lernen. In der Regel ist dies ein vorübergehender
Effekt, der sich mit zunehmender Beherrschung der Entspannungsreaktion
verliert, der aber immer wieder auftreten kann.
5) Die Patienten müssen motiviert werden, die Muskelentspannung
regelmäßig einzuüben, ohne zunächst die
Erwartung damit zu verbinden, die Übung werde bald oder sofort
ihre Schmerzen verändern. Effekte sind erst nach einigen Wochen
zu erwarten.
6) Chronische Schmerzpatienten können nur dann von der Entspannung
ausreichend profitieren, wenn sie mindestens einmal täglich
üben, noch besser 2mal, wobei die 2. Übung im Bett durchgeführt
wird und dem Einschlafen dienen kann. Unzureichendes Üben kann
dazu führen daß die Entspannung nicht richtig erlernt wird
und somit nicht die gewünschten Erfolge bringt.